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188 Die Linde am Ettersberg.
Olberger hieß der Feſtpokal, ihn bracht' ein Herr, ein alter,
Der Ordensſekretarius, verdeutſcht der „Erzſchreinhalter“,
Und ſprach: „Nach Pflicht geloben wir, nur deutſche Art
zu preiſen,
Wilhelmus, unſer Stifter, ſei, der Schmackhafte’ geheißen,
‚„Die Birne mit dem Weſpenſtich“ woll' als Symbol er
tragen;
Die ſchlechten Früchte ſind es nicht, daran die Weſpen nagen.
Und ihm als Sinnſpruch ſtellen wir das Wort: ‚erkannte
üte',
Weil ohne dieſe nimmermehr ſein Palmenorden blühte.“
So hub ſich die Geſellſchaft an, ſo iſt ſie großgewachſen
Im Schirm und Oberregiment der Herzoge von Sachſen.
Gottlob, das ganze deutſche Volk iſt heut im Palmenorden
Und iſt ſich ſeines Werts bewußt in Taten und in Worten.
In Andacht, Minne, Frühlingsluſt erklingen deutſche Lieder;
In unentweihter Reinigkeit blüht unſre Sprache wieder.
Doch jenen, die zu ihrer Zeit ſo ſchmackhaft Bahn gebrochen,
Sei in der Sprache feinſtem Kleid ein Wort des Danks ge⸗
prochen.
Dritter Auftritt.
Geſchichte. Nun ſollt' ich wohl im vierten Bild erklären
Die Gegenwart und was in ihr geſchah;
Doch nach dem Spruch: „Aus ſieben Zeugen Mund
Wird allem Volk die rechte Wahrheit kund“
Ruf ich die Künſte ſelber. Nicht zum Scherz nur
Heißt unſer Ettersberg Deutſchlands Parnaß;
Er zeigt der Heimat bunte Herrlichkeit
Bis weit hinaus zum Harz und zu der Finne.
Er herrſchet über Sonnenſchein und Regen.
An ſeinem Fuß hat Herder oft geruht,
Und ſeine Höhen, feierlich und ſtill,
Sind einer lichten Himmelsleiter gleich,
Wo gute Geiſter auf⸗ und niederſteigen.
Hier ſann einſt Schiller zu Maria Stuart
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