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Die Linde am Ettersberg. 189
Der Königinnen Zwiſt im dunkeln Park.
Hier zeigten einſt auf ſeinen Ruf die Künſte
Ihr Angeſicht den Sterblichen des Tals
Und huldigten der großfürſtlichen Mutter.
Doch was Karl Alexanders Ara ſchuf,
(Beſchwörend.) Das ſagt uns ſelber heut, Unſterbliche,
Im ewig jungen, fleißigen Schweſternchor!
Chor der Künſte (mit dem rezitativen Vortrag von Schillers Strophe).
(Begleitende Muſik von 1814.)
Wir kommen von fernher,
Wir wandern und ſchreiten
Von Völkern zu Völkern,
Von Zeiten zu Zeiten;
Wir ſuchen auf Erden ein bleibendes Haus,
Um ewig zu wohnen
Auf ruhigen Thronen,
In ſchaffender Stille,
In wirkender Fülle,
Wir wandern und ſuchen und finden's nicht aus.
Geſchichte. Das iſt die alte feierliche Weiſe,
Die hier vor vierundſiebzig Jahren klang.
Das iſt ſie ſelbſt, die göttergleiche Schar.
Chor der Künſte. Wir dienten der Mutter,
Wie einſt wir gelobten.
Wir dienen dem Sohne
Der Herrlichen gern.
Der Mutter Vermächtnis
Hat wohl er behütet,
Die heilige Flamme
Durchglüht ihn wie ſie.
Ihm hold und gewärtig
Sind rührig am Werk wir,
Das Werk lobt den Meiſter,
Drum Preis ihm und Dank.
Sie treten vor und bilden einen Halbkreis um die Geſchichte, die jede einzeln
anredet.)
Geſchichte. Zu dieſer Linde hab' ich euch beſchieden,
Zur Malſtatt unſres alten Pfingſtgerichts,
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