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190 Die Linde am Ettersberg.
Daß Rechenſchaft ihr gebt von eurem Tun.
Deutſchland hat ſo Gewaltiges geleiſtet,
Daß ich nicht oft zur Saale kam und Ilm.
Doch daß ihr nicht nach Sitte fauler Unkunſt
Die Hände feiernd hier zum Schoß gefaltet,
Das bürgt mir eure Huldigung von einſt.
„Die Säule ſoll ſich an die Säule reihn.“
Architektur! Haſt du dein Wort gehalten? .
Architektur. Ob Wort ich hielt? Geh, ſchau die Säulenhallen,
Die um der Hauptſtadt Schätze ich gereiht,
Weimars Muſeum, hoch ragt's neben allen
Neubauten unſrer neubaureichen Zeit.
Ob Wort ich hielt? Geh, zähl' die Arbeitſtunden,
Dem Lieblingswerk, dem Wartburgbau geweiht,
Wo Säulenpaar mit Säulenpaar verbunden
Romaniſchen Kunſtzaubers Glanz erneut.
Er war es, der die rechten Meiſter wählte,
Des eigner Geiſt den toten Stein beſeelte.
Geſchichte (zur Bildhauerkunſt).
„Marmor ſoll ſchmelzen unter Hammers Schlägen“
Sprachſt du, Skulptur, wie ſchwangſt den Meißel du?
Skulptur. Der war gut ſchwingen, wo der Fürſt als Kenner
Selbſt Falkenblick und Formtalent beſitzt
Und Sorge trägt, daß ſeiner großen Männer
Ruhmſäule leuchtend durch die Straße blitzt.
Wieland und Herder weiſen neue Spuren,
Ich ſchuf Karl Auguſts Reiterhochgeſtalt,
Ich goß in Erz die Dichter⸗Dioskuren,
Zu denen pilgernd fromm ganz Deutſchland wallt,
Mein iſt, was wir im Maimond jüngſt enthüllt,
Des Kriegerdenkmals glorreich Siegesbild.
Geſchichte (zur Malerei).
„Friſch ſoll ſich Leben auf der Leinwand regen“ —
Wie hielteſt, Malerei, du dein Gelöbnis?
Malerei. Der Maler beſte hab' ich hergezogen
Und wackre Schüler ihnen zugeſellt;
Iſt mancher auch weit in die Welt entflogen,
Manch andrer fand ein ſchönes Arbeitsfeld.
Auf Leinwand wie al fresco ward gemalet,
In Bilderſchmuck erprangt der Wartburg Höh',
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