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Frau Aventiure.
Hat er, zur Rüſte gehend,
Zuletzt noch dich geküßt.
Noch ſchmiegt ſich warm ein Glühen
Um deiner Felſen Moos,
Als riſſ' es nur mit Mühen
Und Schmerz von dir ſich los.
Dich liebt das Licht. Es webet
Goldfäden in dein Kleid,
Und jeden Stein umſchwebet
Ein Hauch von Heiterkeit:
Drum hebt das Herz ſich freier,
Der Sinn wird friſch und rein,
Dunſtnebels blaſſer Schleier
Hüllt nur die Niedrung ein.
Und was am Niedern kleblich,
Vertörung, Haß und Wahn,
Das kreucht und keucht vergeblich
Zu deinen Höhn hinan.
Zu Gottes klaren Sternen
Hebſt du das Haupt empor,
Aus lichten Himmelsfernen
Hörſt du der Engel Chor!
Wartburg⸗Abſchied.
Schon jagt der Winterwind im Land
Das Laub von Buſch und Bäumen,
Schneeweiß erblinkt der Höhen Rand...
O Burg, ich muß dich räumen!
Im blauen Banner ſah ich gern
Den ſtreifigen Leuen glaſten,
Wohl dem, der bei des Leuen Herrn
Als Fahrender darf gaſten!
„Der Landgraf iſt ſo wohlgemut,
Daß er mit ſtolzen Helden,
Was er an Schätzen hat, vertut,
Und ſolcher Sinn iſt ſelten.
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