http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0017
Scheffel. III.
Altfranzöſiſch. 17
„Jungfräulein, Ritterknaben,
Ihr alle müßt mir her!
Die Füße ſind zum Springen,
Die Roſen ſind zum Kranz,
Ihr ſollt euch alle ſchwingen
Im heitern Ridewanz.
Auf die Flucht, Eiferſucht,
Schleich beiſeit, finſtrer Neid!
Wer will uns verwehren
Ein Tänzlein in Ehren
Und ganz unter uns?“
22
0.
Da von der andern Seiten
Tritt der Herr König ein,
Er will den Tanz nicht leiden
Und griesgramt: „Haltet ein!
Ihr Völklein ſollt verſpüren,
Daß ich ungnädig bin,
Und ſollt mir nicht entführen
Meine Frau Königin!
Auf die Flucht, Flatterſucht,
Tritt beiſeit, Leichtſinnigkeit!
Wer wagt hier ſolch Koſen,
Solch Scherzen und Toſen?
Der Lärm nehm' ein End!“
4.
Sie lacht: „Ihm wird ſein Willen
Um keinen Preis getan,
Denn unſre Wünſche ſtillen
Kann kein ſteinalter Mann;
Das kann nur ein jungfeiner,
Ein Bakkalaureus,
So zart wie der weiß keiner,
Wie man uns tröſten muß.
Auf die Flucht, Eiferſucht,
Schleich beiſeit, finſtrer Neid!
Wer will uns verwehren
Ein Tänzlein in Ehren
Und ganz unter uns?“
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0017