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Frau Aventiure.
5.
Wer ſie nun ſieht entſchweben,
Wie ſie den ſchlanken Leib
Zu wiegen weiß und heben,
Der ſpricht: „O ſelig Weib!
In aller Herren Reichen
Bis nach Arabia hin
Hat nimmer ihresgleichen
Die luſtige Königin!
Auf die Flucht, Eiferſucht,
Schleich beiſeit, finſtrer Neid!
Wer will uns verwehren
Ein Tänzlein in Ehren
Und ganz unter uns?“
Chreſtien von Troies.
„de iolif cuer chanterai
bone amor men prie “5)
Aus zartem Herzen ſing' ich nun:
Was Minne heiſcht, gewähr' ich gern,
Und allzeit will ich zärtlich tun,
Grobdörperlicher Rauheit fern.
Von Minne ſtammt das beſte Gut,
Drum leb' ich ohne falſchen Mut
Und ſeh' mich ungern ſtreng kaſteit...
Ein feines Herz kann anders nicht,
Es liebt mit Zärtlichkeit.
Daß hoch in Freuden ſchwebt mein Sinn
Iſt, ſüße Freundin, Eure Schuld,
Drum wißt, ſolang ich lebend bin,
Will ich als Lehnmann Euch um Hand
Treu dienen; ſonſt ertoſ' ich wild ...
Wo trägt die Welt Eu'r Ebenbild?
Ihr ſeid des Guten Überſchwang
So ganz, daß ich erſterben muß,
Bleibt ungeſtillt mein Drang.
An Euch, o ſchöne Frau, geſetzt
Hab' ich mein Leben, Leib und Glück,
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