http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0023
Wolfram von Eſchenbach. 23
Ihr ſollt uns mit Grüßen das Kampfwerk durchſüßen,
Wenn wir euch zu Füßen aufwirbeln die Bahn,
Und ſollt nicht erzittern,
Wenn bis zu den Gittern
Des Palas die Splittern
Zerbrechender Schäfte aufſchnurren mit Macht ?¹).
Im Stirnreif von Golde erſcheint eine Holde,
Der dien' ich zu Solde mit Lanze und Schwert,
Mir hat die Vielreine, als wär' ſie von Steine,
Zeitlebens noch keine Erbarmung gewährt...
Doch werden mit Toſen
Auf mir die vielgroßen
Gerſtangen zerſtoßen,
So muß auch ein Steinherz in Rührung zergehn.
Drum müht ſich mein Sinnen, Turnierdank und Minnen
Von ihr zu gewinnen im ſelben Tjoſt,
Bald wird ſich's entſcheiden, wenn nach dem Durchſchneiden
Der Seile mit Streiten der Buhurt ertoſt.
Dann heißt's: kalopieret
Und nimmer faylieret
Und kräftig pungieret!...
. . . Sand küſſen muß jeder, der wider mich ſtapft!
Nachtlied.
Das iſt die Nacht, die finſtre Nacht im Walde,
Die mich umhüllt auf weltverborgnem Ritt.
Wie anders tönt der Windſtoß längs der Halde,
Wie anders, denn am Tag, des Roſſes Tritt!
Schwarzdunkel liegt der Berg. Nur in den Zweigen
Spielt da und dort ein matt unſicher Licht ..
Iſt's Mondenſchein? Iſt's mitternächt'ger Reigen?
. . . Vorwärts, mein Roß, und ſträub die Mähne nicht!
Furcht kenn' ich nicht; doch kalt unheimlich Grauen
Hat ſich der Seele wie ein Alp genaht,
Und nimmer, nimmer möcht' ich rückwärts ſchauen,
Denn fremde Geiſter ſpür' ich um den Pfad:
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0023