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Frau Aventiure.
Denn jene fingerhuttragende Hand
Hat den ſchönſten Gürtel bereitet,
Den je ein Ritter als Minnepfand
Dem Waffenrock übergeſpreitet;
Ein Efeublatt iſt darein gewirkt
Mit der feinſten, ſeidenen Maſche;
Kennt ihr den Sinn, den Efeu birgt?
„Je meurs ou je m'attache!“
Und wem ſie den Gürtel zu eigen beſchert,
Das hat kein Späher erfahren,
Der Packſattel dort auf dem graſenden Pferd
Weiß manch Geheimnis zu wahren...
. . . Hei, ſchönſte der Frauen, hei, ſchönſte Hand,
Hei, Hütlein am ſchönſten der Finger!
Nun ſagt, ihr Blumen am Bachesrand,
Bin ich nicht ein ſeliger Singer?
5. Nachwehen.
O. weh, mein Gang ward Flüchtlingsgang,
Nun helft, ihr Frau'n, und ſchlichtet!
Was ich von welſcher Fahrt euch ſang,
Dem Meiſter ward's berichtet.
„Mein Tun und Denken ſollt du ſtreng
Wie Beichtgeheimnis wahren
Und nicht mit frechem Zubehäng
Dem Fürwitz offenbaren.
Wart, Tönedieb, ich bläu' dir's ein
Mit ungebrannter Aſche,
Du übermütig Singerlein,
Du Gauch, du Plaudertaſche,
Du Naſeweis, du kecker Lapp,
Du treuvergeſſen Sühnlein,
Du Guggaldei, du Blippenplapp?²7),
Du liederfalſch Garzünlein!“
So ſchalt der Meiſter im Verdruß.
Da bin ich ihm entwichen...
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