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Biterolf. 41
Daß ich wieder ſingen und jauchzen kann,
Daß alle Lieder geraten,
Verdank' ich nur dem Streifen im Tann,
Den ſtillen Hochwaldpfaden:
Aus ſchwarzem Buch erlernſt du's nicht,
Auch nicht mit Kopfzerdrehen:
O Tannengrün, o Sonnenlicht,
O freie Luft der Höhen!
Mein Kreuzfahrtſchild hangt im Geäſt,
Kriegsruhmes gern ich darbe,
Ich ſchließe meiner Tage Reſt
Als Mann der grünen Farbe.
Noch möcht' ich pflegen manchen Baum
Den Enkeln einſt zum Schatten,
Noch roden manchen wüſten Raum
Zu Wald und Wieſenmatten;
Noch auf und ab am Inſelsberg 3³⁰)
Manch weidlich Jagdlied ſingen
Und ſo mein Forſtmanntagewerk
Treu, wie ſich's ziemt, vollbringen.
Klopft dann der Oberforſtherr Tod
An meine Kemenaten,
Sein Klopfen wird mir nicht zu Not
Und ewiger Pein geraten.
Näht mich in eine Hirſchhaut ein
Im grünen Sonntagkleide,
Das Jagdhorn von Weißelfenbein,
Den Spieß legt mir zur Seite:
Verſchließt die Berggruft mit dem Schild,
Deckt ſie mit Moos und Raſen,
Ich hoff', von dort einſt Wald und Wild
Zur frohen Urſtend zu blaſen.
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