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Frau Aventiure.
Drin die huſchigen Forellen
Pfeilſchnell auf und nieder fliehn.
Hohe überſchlanke Buchen
Wölben ſich zum Schattendach..
Weil ſie Licht und Sonne ſuchen,
Iſt ihr Wachstum gar ſo jach..
Und ſie ſtreu'n als weichen Teppich
Dürres Laub gebräunt und dicht,
Doch den Fels umwuchert Eppich
Immer grün und immer licht.
Selig, wer mit ſtillem Lauſchen
Einſam dort die Waldraſt hält, B
Wer beim flüſternd milden Rauſchen
Das Getös vergißt der Welt!
In dem Moos des großen Steines
Ruht die Armbruſt ungeſpannt.
Kommt ein Wild zum Schuß, kommt keines,
Heut ſind Bolzen nicht zur Hand.
Horch, es raſchelt in den Zweigen,
Schwebt wie Nebel vor mir hin,
Und zur Flut ſeh' ich ſich neigen
Himmliſch ſcheu ein Magedin..
Prüfend ſenkt's den Fuß zur Brandung,
Schauert leicht und lächelt fein,
Löſt ſich Gürtel und Gewandung,
Taucht, wie Gott es ſchuf, hinein.
Wies der Elf der Murmelquellen,
Wilder Schönheit ſiegsbewußt,
Dem verträumten Weidgeſellen
Solchen Bilds verſtohln⸗ Luſt?
Hei, noch ſchweb' ich wie in Lüften,
Noch verblendet mich die Pracht
Jener Brüſtlein, jener Hüften,
Jener Glieder, luſtumlacht.
Und noch mag ich nicht begreifen..
. . Doch halt an! ich bin vermählt,
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