Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 47
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Biterolf. 47

Zu Füßen tief — im Nebel tauig dämmernd —
Der Schönaugrund, hufſchmiedend, eiſenhämmernd.

Dort im Gewirr der nah' und fernen Rücken
Erkannt' ich auch den hohen Stillerſtein
Und ſah gerührt mit heimatfreudigen Blicken
In meiner Kindheit rauhes Land hinein.
Wer kennt das Strohdachdörflein in dem Tale,
Durch das die Stille zur Smalklde fließt?
's iſt meine Hauptſtadt ³6)! — leider eine kahle,
Wo Hirſe nur und dünner Hafer ſprießt.
Bleib' ihr als einz'ger Schatz denn unentweiht
Das Glück zufriedner Abgeſchiedenheit.

Und als wir kamen zum Dreiherrenſteine,
Briet ſchon am Spieß das Reh, das wir erlegt,
Am Steintiſch ward in traulichem Vereine
Im Namen der drei Herrn des Mahls gepflegt,
Und da geſchah, nach Brauch der Nachbarmärker,
Daß jeder Gaſt auf eigner Hoheit ſaß
Und doch der Thüring und der Henneberger
Mit dem von Fuld aus einer Schüſſel aß.
„In ſtrengen Rechten Nachbarſchaft und Frieden!“
So ward's durch dieſes Sinnbild uns beſchieden.

Viel Volks war unſrer Mahlzeit zugelaufen,
Als wär's ein heidniſch Götzen⸗Opferfeſt,
Sie lagerten im Gras in bunten Haufen
Und ſchmauſten des gebratnen Rehbocks Reſt.
Und mit dem Handſchuh winkt' ich ſie zum Kreiſe:
„Als wär' zur Stund ein Waldgericht gehegt,
Sei jedem jetzt nach Weidmannszeugnisweiſe
Des Tags Bedeut ſein Lebtag eingeprägt!
Wir Förſter ſchreiben ungern mit der Feder,
Doch unſere Zeichenſchrift verſteht ein jeder.“

.. . Die Knaben zupft ich weidlich an den Ohren,
Den Mannen fuhr ich raufend durch den Bart
Und ſprach: „Nun merkt, als ſei es friſch beſchworen,
Wie hier der Rennſtieg friſch beſtätigt ward!
Doch merket auch, daß, wie wir drei in Frieden
Am gleichen Stein das gleiche Mahl verzehrt,


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