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Frau Aventiure.
Das jüngſte ſpielt ihm auf dem Arm
Mit Bart und Harniſchkette,
Er ſchafft ihm Brei und hält es warm
Und legt es auch zu Bette:
„Wigen wagen, gugen gagen,
Ach mir tagen ſanfte Plagen,
Schreier, Schreier, kleiner Schreier, ſchweig,
ich will ja gern dich wagen!“
Das war der Vogt von Tenneberg,
Den Minne nie umfangen.
Im Lindengrün zum Trocknen jetzt
Gewaſchne Windeln hangen,
Und ſtille ward es, mäusleinſtill
Im Wipfel und am Stamme.
Er ſingt nur, wenn der Dienſt es will
Zur Ablöſung der Amme:
„Wigen wagen, gugen gagen,
Ach mir tagen ſanfte Plagen,
Schreier, Schreier, kleiner Schreier, ſchweig,
ich will ja gern dich wagen ³⁸)!“
Der Mönch von Banth.
Waldpſalm.
ir klösterlůte, vrouwet üch:
ir fit vil maneger muowe entgan
die werltliche lüte häan!
Ebernand von Erfurkf.
Auf, zu pſallieren in frohem Choral;
Pörtner, erſchließe des Kloſters Portal!
Frühling iſt kommen voll ſproſſender Luſt,
Schmücket, ihr Brüder, mit Veilchen die Bruſt,
Wandelt lobſingend zum Buchwald hinaus,
Denn auch der Wald iſt der Gottheit ein Haus.
Sehet die Halle, wie ſtolz ſie ſich hebt,
Stolz zu der Bläue des Himmels aufſtrebt;
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