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Der Mönch von Banth. 53
Da ſprach einer, dem die Stirn von Schweiß troff:
„Sonderbar. Wir ſtoßen auf Unebnes
Gegen dieſer Felſenart Gewohnheit;
Etwas Fremdes niſtet im Geſteine.“
Doch ſie rammten unverdroſſen weiter,
Bis die ganze Oberfläche lück war.
Mit des Kreuzes Zeichen ſie beſegnend
„Auf! dem heiligen Dionys zu Ehren,
Eins, zwei drei — und losgelaſſen!“ rief ich,
Und die Platte ſank ...
o dreimal Wunder!
Nie vergeſſ' ich jenes wilden Anblicks:
Vom Geſchiefer, das da kam zum Vorſchein,
Rings umſchloſſen, halb darin erhaben,
Zeigte ſich ein ungeheures Steinhaupt.
Wer da grub, entwich mit lautem Aufſchrei.
Und ich ſchlug das Kreuz und ſprach von ferne
Einen lauten ſtarken Exorcismus,
Der des Orts Dämonen, böſen Erdgeiſt
Und was ſonſt von teufeliſcher Abkunft
In der Tiefe lauert, bannen ſollte.
Dann erſt wagten wir hinanzutreten
Und beſchauten ſcheu vorſichtig taſtend,
Uns des Schädels nie erſchaute Bildung.
Nicht vermocht' ich, meine Arme breitend,
Ihn nach beiden Enden zu beſpannen,
Und ein Rachen gähnte uns entgegen
Rieſenlang, doch mäßig in der Breite.
Spitz zu ging er, wie ein Rabenſchnabel
Leis hinabgekrümmt am obern Kiefer,
Wohlbewehrt in blanken Zähnen ſtarrt' er,
über fünfzig zählt' ich nach der Länge,
Spitz und ſchneidig, Fleiſch wie Bein zu malmen.
Spurlos mocht' ein wohlgewachſner Jüngling
Drin verſchwinden, ſo er ihn erſchnappte.
Nah' am Rachen kündete ein großes
Kreisrund Loch, daß hier des Auges Platz war,
Und zwei Spalten wieſen Naſenlöcher,
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