Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 54
(PDF, 21 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0054
54

Frau Aventiure.

Draus er Waſſer ſpringbrunnartig ſprudeln

Oder Feuerodem blaſen mochte.

Dieſes all war nicht der Sinne Täuſchung;

Denn trotz der Verſteinung ſahn wir deutlich
Noch der Knochen Mark und Faſerlinie,
Selbſt den Schmelz der Zähne ... und ein Forſtwart
Holt' ein altes Schwert und ſchabte wacker,
Daß die Form der Schieferhülle frei ward.

Aller Mannen Neugier ward nun rege,
Weiter zu erſpähn, wie's mit dem Leibe
Dieſes Rieſenungetüms beſchaffen,
Und in ungeſtümer Steinbrecharbeit,
Doch mit Vorſicht löſend, nicht zertrümmernd,
Sprengten wir die ganze Felſendecke.
Sieh! da kamen als des Hauptes Fortſatz
Ungeheure Rückenwirbelknochen,
Erſt zuſammenhängend, wohlgefügt noch,
Dann zerſtreut, dahin, dorthin verſchleudert,
Gleich als ob das Tier, nachdem's verendet,
Von der Sündflut, die es hier begraben,
Lang erſt hin und her geſchwemmet worden.
Rund war ihre Form, ſchier wie die Steine
In dem Brettſpiel, aber zehnfach mächt'ger.
Schlank und lang, gleich Reifen eines Faſſes,
Reihten dran ſich mächtige Seitenrippen,
Aber ſtatt des Fußes ſahn wir deutlich
Spuren einer ſchuppenſtarken Floſſe,
Ahnlich einer Sohle, die mit ſchweren
Nagelköpfen um und um beſchlagen.

Da ſprach ich, von Banth der Mönch Nicodemus:
„Lobet Gott, denn groß ſind ſeine Werke.“

Und ich ging, dem Abte es zu melden.

Doch zur Nachtzeit, als der Mond mit vollem
Glanze aufging ob dem Staffelberge
Und die Sterne in dem Main erblitzten,
Trieb mich's wieder hin zu dem Gebilde.
Gleich wie einer, der die Totenwacht hält,


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0054