Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 57
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Der Mönch von Banth. 57
Bericht von den Mücken.

diu vliege ist, wirt der fumer heiz,
der küenste vogel, den ich weiz,
dem lewen wolt ich vride gebn,
liezen mich die vliegen lebn.
Tridank c. 43.

Solches ſpricht von Banth der Mönch Nicodemus:
Wollt ihr wiſſen, warum nach langer Schwermut,
Langer Menſchenſcheu, erfindungsreicher
Veinigung des Leibes und der Seele
Sich mein Sinn zum Beſſeren gewendet
Und ſich wieder innig, kindlich freuet
An der Menſchen buntem Durcheinander,
An der Pracht des Himmels und der Erde,
Sonnenſchein und Waldesgrün und Liedklang,
So vernehmt: den Mücken nur verdank' ich's,
Mücken ſchufen mir die Sinneswende,
Sind kein unnütz ſummendes Geſinde,
Hohe Hand lenkt auch den Mückenflug.

Lange hielt ein Übel mich umſtricket,
Der Lateiner nennt's Melancholeia.
Träg rinnt das Geblüt da in den Adern,
Und das Haupt umlagern Wahngedanken
Schwer und dunſtig wie ein Höhenrauch.
Von dem Abt, vom Prior, vom Konvente,
Der mir nie ein Härlein nur gekrümmet,
Wähnt' ich mich gekränkt und ſchwer mißhandelt.
Wenn der Brüder zweie oder dreie
In des Blumengärtleins blühender Wildnis
Sich in traulichem Geſpräch ergingen:
„Was wird über mich geläſtert?“ rief ich.
Hallten Tritte im gewölbten Gang auf,
Schrie ich: „Ha, ſie nahen, mich zu greifen,
In die Geißelkammer wegzuſchleppen,
Rettet mich vor finſterer Verließnacht!“
Im Konvent, im Refektorium ſelber
Beim gemeinſam fröhlichen Mittagmahl
Klang mir in den Ohren: „Feinde ringsum!“
Und ich reichte meinen Wein dem Nachbar,
Daß er erſt ihn koſte, ob kein Gift drin.


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