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68 — Frau Aventiure.
Und aufgeknault wie ein Igel!
Spießbürger umſchreiten den Wall und das Tor,
Der Hochgerichtsgalgen ragt drohſam empor,
Schanzpfähle umrammen die Hügel.
Schau, ſchau, Freund Pfefferſack duldet nicht mehr,
Daß wir Männer von Reinhart Zerbrechekopfs Heer
Sein Wackenpflaſter begehen!
Schlupfpförtlein du, an der Münſterpfalz:
Ich landfremdes Brüderlein Wagehals
Möcht' doch mir das Städtlein beſehen ..
Ein Pilgermantel, ein Muſchelhut
Taugt zu viel löblichen Dingen gut,
Man fühlt ſich ſo fromm drin und ſicher ..
. . Jetzt, heiliger Reineke, ſpende mir Heil!
. . . . Hier bin ich... trag' Roſen von Jericho feil,
Betkränze und Bücher und Tücher.
Gebruſtſchutzt ſitzen die Schöffen beim Wein,
Sie ſpinnen wohl Kriegsrat und ſpinnen ihn fein,
Wie ſie mich fangen und henken,
Mich und manch andern von waglicher Sitt'! ...
„Pax Dei vobiscum! Ihr Herren, ich bitt',
Wollt mir einen Zehrpfennig ſchenken!“
Der Stadtſchultheiß, der kreisrunde Wicht,
Noch flammt ihm die Schmarre im Angeſicht,
Die einſt mein Flamberg gehauen;
Vor die Füße warf er den Silberling mir:
„Du fremd Wallbrüderlein, ſcher dich von hier,
Deinen Plunder weiſ' unſern Frauen!“
.. Und als ich hoch oben im Zwingergang ſtund,
Ein lachendes Taubenpaar wurde mir kund,
Das girrte und gurrte beſtändig..
Und als mich, ich ſage nicht wer, erſah,
Da rief's: „O wohl mir, daß endlich du nah,
Waghälslein, Frechliebſter, ich kenn' dich!“
Den Mummſchanz, den Mantel, das Hütlein — man nahm's.
Schmal ſchlupft' ich herfür im ſiglätſeidnen 4⁸) Wams
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