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Fahrende Leute. 69
In alten vielheimlichen Treuen . . .
Drauß' wachten die Burger mit grimmigem Schall,
Spätnächtig noch dröhnte ihr Rundgang vom Wall,
Sie ſchrien ihr „Werda?“ wie Leuen.
. . Im Sommer wenn's regnet, im Winter wenn's ſchneit,
Das Scheiden und Meiden ſchafft allemal Leid,
Sie weinte, derweil ich mußt' lachen:
„Schau, ſchau, die ſorglich beſperrete Stadt,
Wohl ihr, die ſolche Verteidiger hat,
Wenn andere ſchlafen, ſie wachen!“
Und als ich entſchleichend zum Wurzgärtlein kam,
Noch einmal bei Hand und bei Mund ſie mich nahm,
Da blieſen die Türmer den Morgen.
Da ſtund ich am Graben . . ein Sprung ..hei gut Glück!
Frei ſchwing' ich mich über die Heide zurück;
Ihr Väter der Stadt: — Guten Morgen!
Irregang.
Irregang haiss ich
mang lant weiss ich,
min vatter Irrgang was genant
er gab mir das erb in min hant
ob ich in ainem lant verdürb
daz ich im andern niemer ze eren würb.
Liedersaal, Nr. CXXVII.
Die Berge ſchimmern weiß beſchneit,
Eis deckt der Ströme Wogen;
Wer kommt im Faſchingnarrenkleid
Mit Schall durchs Land gezogen?
Das iſt der lange Irregang,
Zum Bergwerk will er zielen,
Der Knappſchaft und den Grubenherrn
Zu einer Hochzeit ſpielen.
Die Braut trat vor den Spielmann hin:
„Noch einmal laß dich grüßen,
Noch einmal, eh' wir zur Kirche ziehn,
Den Singemund dir küſſen!“
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