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Fahrende Leute. 75
Kein Menſch kann das uns geben,
Die Minne ſelber nicht,
Das ſonnenwarme Leben,
Das hier zur Seele ſpricht.
Laß unſern Kahn nur treiben!
Allum iſt's fein und ſchön;
Hier iſt vom Weltenbauherrn
Ein Meiſterſtück geſchehn.
Hier prangen Gottes Wunder
In ſtill beredter Pracht:
Fahr ab, verfluchter Plunder,
Der elend mich gemacht!
Dem aufgehenden Mond.
Qui potare non potestis
ite procul ab his festis
non est locus hic modestis.
Carmina Burana Nr. 179.
Heute ſchwirren Schelmenlieder,
Niemand bleibt verſchont:
Ja, woher denn du ſchon wieder,
Bleicher Pilgram Mond?
Kaum iſt uns die Sonn' entſchwunden
Im verſchilften Rohr,
Reckſt du ſchon am Bergwald drunten
Dein Geſicht empor.
Willſt du deinen Treuen helfen?
Heia, ſtrahl nur zu!
Schwärmern, Minnern, Füchſen, Wölfen,
Giltſt als Sonne du!
Und wir brauchen Kraft zum Trinken
Und noch viel — viel Wein...
Laß dem Wirt als Zahlung blinken
Deinen Silberſchein.
Füll der Nönnlein Zellen drüben
Mit ſehnſücht'gem Glanz...
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