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Frau Aventiure.
Frühſonne ſchießt durchs Dickicht ihre Strahlen,
Und golden blinkt der Zweig, den ſie beſtreift.
Weich wie auf Sammet gehn des Roſſes Hufen,
Kaum ſtört ihr Tritt die heilige Einſamkeit,
Denn ruhig modert auf des Burgwegs Stufen
Der Blätter Schicht, wie Herbſt auf Herbſt ſie ſtreut.
Recht als ein Weidmann reit' ich auf die Reiſe,
Feſt krallt ſich um die Fauſt der Edelfalk,
Aufſchnappend ſpringt der Brack' ums Roß im Kreiſe,
Als Sattel dient ein weicher Otterbalg.
II.
Verbuhlte Stadt! Wie ſchmiegt ſie Haupt und Glieder
Behaglich an den Berghang, in den Strom!
Nachdenkſam ſtarrt auf ihren Reiz hernieder
Sankt Martins ſäulumgürtet finſtrer Dom.
Dach ragt an Dach. Spitzgieblig ſtrebt nach oben
Der Landherrn Pfalz, das Rathaus, Zoll und Maut;
Die breitgewölbte Brücke iſt zu loben,
Von deren Rand das Kirchlein flutwärts ſchaut.
Der Hafen wogt von Maſten, Wimpeln, Fahnen,
Ein Schiffzug kommt, ein anderer hebt ſich weg..
Am Landeplatze ſtöhnt der dicke Krahnen L
Und angelt Ball' um Ballen vom Verdeck.
Ja, wacker rührt ſich's im Ameiſenhaufen,
Wo Ordnung, ſagt man, ſtark und ſittig macht ..
Kein Schelten ſtört, kein Fechten und kein Raufen ..
Gewebert wird.. es iſt die helle Pracht!
III.
Wer aber iſt der wackerſte der Wackern?
Wer, wie ein Kaufherr, ehrenreich und klug?
Die Bauernſtiere läßt er ruhig ackern
Und erntet dreifach ohne Karſt und Pflug.
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