Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 92
(PDF, 21 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0092
Frau Aventiure.

Ein düftend Brieflein, von dir ſelbſt geſchrieben,
Rief mich noch ſpät zur Reigenluſt am Markt
Aus ferner Burg. Mein Roß flog ſpornzerrieben,
Mit Kranz und Lanzkleid wurde nicht gekargt.

Das Pferdlein Sperber, das mich trug zum Feſte,

Sank ſchnaubend um und war zu Tod gehetzt,

Von Kranz und Tanzkleid blieben mir nur Reſte,
Der Sprung durchs Feuer ſchuf ſie brandverletzt.

Du kennſt das Roß und kennſt den weißen Mantel,
Für die ich den Erſatz zu heiſchen hab'..
Du wardſt ein Kaufweib und verſtehſt den Handel:
Das Schuldbuch auf!. . Freund Magnus rechnet ab!

VI.

Schön warſt du, als von deiner Hand entzündet
Das Sunnwendfeuer aus den Scheitern ſchlug,
Als Paar an Paar zum Fackeltanz verbündet
Dir nachſchritt. Doch — dein Spiel war Lug und Trug.

Poſaunen ſchallten. Glutgerötet ſchwebteſt

An meiner Seite du voran dem Zug ⁵0⁰),

Dein Buſen rang, als ob du wonnig bebteſt,
Daß ich erſchien. — Dein Spiel war Lug und Trug.

Du botſt, als wir Sant Hanſen Minne tranken,

Froh mir zuerſt, dann unwirſch ihm den Krug.
Und ſchon ſtand felſenfeſt und ſonder Schwanken

Wahl und Entſcheid! — Dein Spiel war Lug und Trug.

Dein Mund hieß mich den Einz'gen, Süßen, Teuern,

Als ſchon die Stirn' des andern Goldreif trug..

Du brauchteſt mich, ſein Fiſchblut anzufeuern.
Unſelig Weib, dein Spiel war Lug und Trug.

Mit dieſem Liedlein ward ich dann entlaſſen,
Es macht dem Schelmen, der's erſonnen, Ehr' . ..
Die Kaufmannsdiener ſangen's auf den Gaſſen,
Und die Gevatterinnen lachten ſehr;


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