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Magnus vom finſtern Grunde. 93
Denn jener hatte, als der Töne beſten,
Dazu das Schwegelpfeiferſtück gezeigt,
Mit dem man mächtig hohen Herrn und Gäſten
Vom Feſtgelag' des Rats — nach Hauſe geigt.
Das Lied geht alſo:
„Zeuch ab, mein ſchlanker Magnus,
Dein Mäntelein reicht nicht hin,
Wir brauchen Samt und Scharlach,
Gebrämt mit Hermelin.
Zeuch ab, mein ſchlanker Magnus,
Dein Wämsglein iſt zu eng,
Wir brauchen Gugelzipfen
Mit Glöcklein und Geſpäng.
Zeuch aäb, mein ſchlanker Magnus,
Dein Täſchlein iſt zu leer ..
Wir brauchen's von Byzantern
Und Lilientalern ſchwer.
Zeuch ab, mein ſchlanker Magnus,
Und ſchweig von deiner Kunſt!
Wir haben dich gewogen ...
Was wiegt eine Handvoll Dunſt?“
VIII.
Daß anmutſprühend du mich ſo betörteſt,
War meine Schuld. Niemanden klag' ich an.
Doch daß du allen Glauben mir zerſtörteſt
An dein Geſchlecht — das war nicht wohlgetan!
Andächt'ge Ehrfurcht ward verkehrt zum frechen
Verächtlich leichten Spiel um leichte Gunſt ..
Ich lernte ſchwören und die Schwüre brechen
Und Räubersart für fromme Ritterkunſt.
Wenn kaum der Wächter Taglied von den Warten
Aus trautem Arm zu frühem Urlaub zwang,
Sann ich bereits: welch anderm Blumengarten
Werd' ich zuſchleichen, wenn der Tag verklang?
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