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Frau Aventiure.
Und ruhig wink' ich, wenn in Weh und Sehnen
Sich nächtige Schatten meinem Lager nahn ..
Nicht mir, nicht mir des Vorwurfs ſtumme Tränen!
Sucht eine andere! . . Sie hat nicht wohlgetan!
IX.
Auch ihn ſah ich in ſeiner Vettern Mitte,
Den Haupthahn, der zur Henne dich gewann.
Zur Wechſlersburſe lenkte er die Schritte,
Tief neigte ſich das Volk dem großen Mann.
Ein feiner Hahn! wie ſtattlich iſt ſein Gehen,
Wie ſtreitbar und des Sporns am Fuß bewußt!
Wie ſchwillt ſein Kamm, wie weiß er ſich zu blähen,
Wie wirft er ſich mit Haltung in die Bruſt!
Ein feiner Hahn! . . auch ſeiner Augen Drehen
Verrät den Starken in der Schwachen Kreis.
Er ſchwieg .. ſonſt wüßt' ich, ob er auch kann krähen ..
Vielleicht, daß man im Stadtrat dieſes weiß.
O bleib ihm ſüß .. Verſag ihm keine Bitte!
Gewährung lohnt ſich. Zeigſt du dich nicht hart,
Teilt gnädig er mit dir nach Hahnenſitte
Das Weizenkorn, das er dem Miſt entſcharrt.
X.
Doch nicht mehr lang!.. Schon ſpähet ungeduldig
Zum Stundenglas ein ſtiller Gaſt und ſpricht:
„Der Sand läuft ab. Bezahlt, was ihr mir ſchuldig!
Es jährt ſich vieles, doch verjährt es nicht!
Vernahmt ihr nie ein unterirdiſch Pochen?
In Maulwurfsweiſe ging mein Tagewerk:
Die Wächter in der Vorſtadt ſind beſtochen,
Ihr Tor bleibt auf .. Verrat umwühlt den Berg.
Ver mich nicht kannte, lernt mich heut noch kennen,
.. . Das Jagdwams fällt, in Stahl ſtarrt Mann und Roß..
Ein Landgewalt'ger will den Platz berennen,
Ich bin ſein Dienſtmann und ſein Kampfgenoß!
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