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Frau Aventiure.
In abgrundtiefer Felſenklauſe
Bricht donnernd ſich der Bergſtrom Raum
Und füllt die Schluchten mit Gebrauſe
Und ſeines Falls zerſtiebtem Schaum ..
Sie aber freut ihr weltfern Blühen,
Der Wellen Gaukelſpiel und Tanz
Und, wenn die Nebel ſonnig ſprühen,
Des Regenbogens Funkelglanz.
Seeabendrot.
Iſt das nicht ein kläglich Weſen,
Daß ein minnedienend Paar
Hierlands nimmer mag geneſen
Von der Laurer Unholdſchar?
Kaum noch ſchiel' ich nach dem Erker,
Kaum noch ſpiel' ich, daß es ſchallt,
Weil an jedem Tor ein Merker,
In jedem Spalt ein Hinterhalt.
Freundin, komm mit mir und flüchte,
Denn ich weiß ein traulich Neſt,
Wo ſolch raunendes Gezüchte
Unverſperrt die Wege läßt:
Heimlich birgt der Seebucht Ecke
Ein Gebäu von feſtem Fug,
Wie geſchaffen zum Verſtecke
Zweier, die ſich ſelbſt genug.
Stolzer Buchen lichte Wipfel
Rauſchen flüſternd ob der Flut,
Drin verſchneiter Alpengipfel
Abgeſpiegelt Bildnis ruht.
Und es ſtört des Koſens Wonne
Keiner Nachbarzunge Ziſch,
Unſer Tun ſchaut nur die Sonne,
Unfer Wort hört nur der Fiſch.
Dorthin bring ich Roß und Waffen,
Laute, Hausrat, Hab und Gut ..
Hei des Glücks, ein Glück zu ſchaffen
Nur durch ſich und eignen Mut!
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