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Heinrich von Ofterdingen. 99
Arbeit darf dem Tag nicht mangeln,
Als ein Fiſcher fahr' ich aus,
Karpf' und Alant faht mein Angeln,
Hechte ſorgt mein Garn ins Haus.
Doch zur Veſperzeit erſchimmern
Wolken, ganz in Gold getaucht,
Und der See im Widerflimmern
Wogt von gleicher Glut behaucht.
Dann wohlauf .. die Feierſtunde
Naht, und ſchweigſam trägt das Boot
Uns in weltentrücktem Bunde
Durch des Schilfs Seeabendrot.
Der Papegan.
Das war Anmut ſonder Ende,
War auf goldnem Grund ein Bild,
Als du durch dein Rebgelände
Niederſtiegſt zum Talgefild!
Rechts und links und ob dem Haupte
Wölbte ſich im überſchwang
Herbſtgoldbraun der dichtbelaubte
Traubenſchwere Rebenhang.
Auf dem Handſchuh deiner Rechten
Saß dein Pſittich eingeklemmt,
Spielte mit den Lockenflechten,
Mit des Buſens Faltenhemd.
Und den Schäker ſüß zu nähren,
Pflückteſt du ein Traubenpaar,
Reichteſt ihm die blauen Beeren
In der hohlen Linken dar.
Buſchig ſträubt' er ſein Gefieder,
Denn ſo wohl war ihm noch nie,
Bog den Schnabel hackend nieder,
Rief auf welſch: Merzi, m'amye!
Und in eiferſücht'gem Neide
Hub mein Herz zu ſeufzen an:
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