http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0100
100
Frau Aventiure.
„Hei der ſüßen Schnabelweide ...
Wär' auch ich ein Papegan!
Fräße gern dir, zahm wie jener,
Gute Speiſe aus der Hand,
Zauſte gern dir, zahm wie jener,
Lockenſchwall und Miederband,
Trüge gern am Fuß wie jener
Deiner Feſſeln leicht Gewicht . ..
Alles tät' ich dir wie jener...
Nur Franzoiſiſch ſpräch' ich nicht!“
Chriſtnacht.
Daß ich nach langer Trennung Leid
Die Gute durfte ſchauen,
Das war in weihnachtheil'ger Zeit
Vor Tagesgrauen.
Da rief der erſte Hahnenkrät
Die Schläfer aus den Betten,
Mit Lichtlein ſchlichen aus der Stadt
Die Frau'n zur Metten.
Als wie ein Knecht Ruprechts Mummgeſtalt
Kam ſie vom Berg zum Dom gewallt,
In Pelzwerk Stirn und Ohren
Verloren.
Die Pfaffheit ſung mit Orgelſchall:
„Dem Herrn ſei Preis und Minne,
Und Fried' im Tal den Menſchen all
Von gutem Sinne.
Da hat ihr freies Haupt der Wucht
Der Hüllen ſich entwunden,
Da hat ihr Auge meins geſucht
Und auch gefunden.
Ein langer vielberedter Blick
Erzählte ſtumm ein ganz Geſchick
Von freudlos öden Tagen
Und Plagen. ”
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0100