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Heinrich von Ofterdingen. 105
Sie auf die Nachbarin!...
Das kniſtert, rauſcht und knattert,
Nun ruft, dieweil es flattert:
„Gefluchet ſei dir, Herbſt,
Der du die Wonne wendeſt
Und unſern Anger ſchändeſt
Und allen Wald entfärbſt!“
3.
Heiei, was für ein Schwirren
Und Durcheinanderirren
In minnewildem Spiel!
Ich fürcht', ihr ſüßen Kinde,
Ihr tut heut um die Linde
Des Guten ſchier zu viel.
Schon ſeh' ich zweie ſpringen
Und miteinander ringen,
Als gält' es ernſten Strauß:
Die zierliche Jeſchute
Im neuen Zindelhute
Schaut wie ein Waldweib aus.
Herr Walter mit Hiltgunden,
Tief in der Streu verſchwunden,
Wer ſchaufelt ſie hervor?
Wer tröſtet Marviljüſen,
Daß ſich in ihren Buſen
So manch dürr Blatt verlor?
4.
Verſchnaubet nun, ihr Schönen;
Den dürren Herbſt zu höhnen,
Iſt friſcher Jugend Recht.
Könnt' er in Knoſpen prangen,
Nie trügen wir Verlangen
Nach ſolchem Streugefecht.
Nun ſei genug des Springens,
Laubſchüttens, Glöckleinklingens,
Der Reigen hat vertobt;
Schnürt Gürtelſchmuck und Mieder
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