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106 Frau Aventiure.
Gerad' und folgt mir wieder,
Daß uns die Mutter lobt.
Und fühlt ſie euch mit Bangen
Die glühheiß roten Wangen
Und fragt: „Was Feind ſchuf das?“
So ſprecht: „Frau Mutter, eia,
Das ſchuf der Hoppeldeia
Im dürren Laub und Gras!“
5.
Du aber, Tanzgenoſſe,
Kehrſt heut nicht heim zum Schloſſe,
Der Herbſt biegt uns ein Bein.
Mit Kännlein und mit Kannen
Heiſcht itzt zum Kampf die Mannen
Sein Sohn, der neue Wein.
Er ſoll die Wahlſtatt räumen,
Ihm werd' für Braus und Schäumen
Ein Grab in kühlem Grund!
Hervor denn aus dem Faſſe,
Herr Moſt, daß euch die Gaſſe
Durch unſre Kehlen kund!
Wir jubeln krügelüpfend,
Bis daß die Seele hüpfend
Auf einer Rippe ſteht.
Bis Sonne, Mond und Erde
Auf unſres Reigens Fährte
Sich dreht — und untergeht 56).
Danklied.
(Mit einem neuen Winterkleid beſchenkt, das eigentlich dem
tugendhaften Schreiber beſtimmt war.)
Heinrich von Ofterdingen
dieses maere getihtet hät
daz s sus meisterlichen stät.
des waren ime die fürsten holt
Si gaben im silber unde golt
do zuo pfenning und riche wät.
Kunech Luarin v. 2921.
Das Streifen durch die Lande — fahr hin, du alte Wat,
Macht ſtreifig die Gewande und mürb an Saum und Naht;
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