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Frau Aventinre.
Drum wollt den Tag nicht vor dem Abend loben,
Bald bin ich wieder auf dem Plan zu ſchau'n...
Bald ſollt, ihr Herrn, nicht ohne Leid erproben,
Wie friſch gewetzte Eberzähne hau'n!
Am Traunſee.
„min mout heim ze lande gôrt.“
Kunech Luarin v. 1840.
I.
Endlich, endlich, milder Friede,
Kehrſt du wieder in mir ein —2
Grimmer Schmerz löſt ſich im Liede,
In den Wind entſchwebt die Pein.
Bleicht und ſchwindet, wüſte Träume,
Steig zu Grabe, Wahnſinnsnacht:
Ferne blaue Alpenſäume
Mahnen, daß ein Tag noch lacht.
Und ich ſchau' des Sees Spiegel,
Seiner Wogen grünen Schwall,
Seine tannendunkeln Hügel,
Seiner Alpen Mauerwall.
Hochlandſchneeluft weht hernieder
Kühlend auf der Seele Glut,
Und gleich Möwen kreiſen Lieder
Neubeſchwingt hier um die Flut.
Wie verklärt ſtrahlt mir entgegen
Gottes Welt, wie groß, wie weit!
Steiriſch Meer, ich fühl' den Segen
Deiner keuſchen Herrlichkeit.
Was gequält mich und gekränket,
Was des Denkens Folter war,
Tief zum Seegrund ſei's geſenket,
Sei vergeſſen immerdar!
Dieſes Friedens heilig Wehen
Schafft mich zum verſöhnten Mann...
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