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Heinrich von Ofterdingen. 113
Wir ſtampfen unſern Bärenhäuterreigen
Beim dürren Tännlein vor dem Palastor.
Das Feſt zu krönen mangelt nur die Herrin,
Die uns ſolch Glück geruhte zu verleihn,
Ein Narr wie ich verdient auch ſeine Närrin:
Frau Aventiure komm, wir harren dein!
*
So klang mein Lied, ſpätnächtlich mich zu höhnen
Bei leerem Krug und düſterm Kienſpanſtrahl,
Der Gaden ſchwankte in der Windsbraut Stöhnen,
Und Regenwolken ſchauerten durchs Tal.
. .. Da hör' ich fern ein ſilbern Hörnlein blaſen ...
Hei, ſüßer Ton, wie triffſt du mich ins Herz!
Die alte Freundin geiſtert auf den Straßen,
Und all mein Sehnen ſchwingt ſich irrfahrtwärts.
Auf und hinaus! bringt Roß und Schwert und Zither!
Geliebtes Traumbild, Dank, daß du mich rufſt!
Nun folg' ich dir als treuſter deiner Ritter,
Vergeſſend aller Not, die je du ſchufſt.
Dürr ſind des regelrechten Lebens Kränze,
Die blaue Blume blüht nur im Gedörn;
Auf und hinaus! .. . im ſturmdurchbrauſten Lenze
Fahr ich dahin und ſuche meinen Stern.
Des Meiſters Konradus Spur.
Dizze vil alte maere
het ein schribaere
wilen an ein buoch geschriben.
des en ist ez niht beliben,
ez ensè ouch daävon noch bekant
wie die von Burgonden lant
mit freude in ir geziten
in manigen landen witen
ze grözem prise waren komen.
die Klage V. 17.
. . . Die Biſchofsleute ſprachen viel beim Mahle
Von alter Zeit; ihr Lehrgeſpräch war laut.
Nun raſt' ich ſtill im fenſteroffnen Saale,
Der nach der Luft und nach der Donau ſchaut.
Scheffel. III. 8
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