http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0116
116
Frau Aventiure.
II.
Koſewind, Toſewind, biege die Segel mir,
Mutig durchflattre, Kreuzwimpel, die Luft!
Glückverwandt, rechter Hand fliegen die Vögel mir,
Alpen erglühn in ferngoldenem Duft.
Lang ſchlich durch bergwaldumſchloſſene Wilde
Strömung wie Fahrzeug ſich einſam und träg,
Menſchenbewohnte weit offne Gefilde
Schauet das Aug' jetzt frohlockend am Weg.
Schwinge die Kappe, mein rudernder Ferge,
Grüße den Traunſtein, deß Haupt dort erglüht:
Das ſind des Steierlands bläuliche Berge,
Das iſt die Oſtmark, nach der es uns zieht.
Eile voraus uns, vielflutige Welle!
Vehender Windeshauch, eile voraus!
Fernab an nußbaumumſchatteter Stelle
Melde dem wehrhaften Markgrafenhaus:
Paſſauer Kähne durchrudern wie Schwäne
Im Namen Maria die ſtrudelnde Bahn;
Nach Bechelaren kommt ſehnend gefahren
Meiſter Konradus, der ſteuernde Mann.
III.
Fern im Oſt beginnt die Sonne
Ihren Welterleuchtungsgang,
Frühlingsgrün und Erntewonne
Sproſſen ihrer Spur entlang.
Was da kreucht im dunkeln Tale
Und den Zug zu Gott verſpürt,
Wird von ihr und ihrem Strahle
Morgenfreudig angerührt.
Und ſie ſcheint von hohen Warten
Auf der Oſtmark Saatenfeld,
Das als friſchen Neubruchgarten
Deutſche Kraft ſich hier beſtellt.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0116