http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0117
Heinrich von Ofterdingen. 117
Gotteshäuſer, Burgen, Städte,
Starker Bauern Einigung,
Wachſen frohſam um die Wette
Mit der Geiſter ernſtem Schwung.
Morgennebel, fein und tauig,
Liegen ob dem jungen Land,
Doch durch ihre Hüllen ſchau' ich,
Was die Zukunft ihm noch plant.
Aufgeprägt mit Pflug und Schwerte
Steht dem Boden rings die Schrift:
„Dieſes iſt geweihte Erde,
Keine Steppenpferdetrift.
Reich von deutſchem Blut gedünget
In ſchier hundertjähr'gem Streit,
Von Geſittung neu verjünget
Reift ſie einer guten Zeit,
Und der Chriſtenheit zum Walle
Wird ein Sſterreich erſtehn,
Deſſen Banner wider alle
Heidenſchwärme ſieghaft wehn.“
Drum wohlauf, du frommer Streiter,
Der als Graf die Mark bewacht;
„Wohlauf, ihr ſchweren Eiſenreiter,
Deren Reigentanz die Schlacht:
Goldner Wein, Gefahr und Liebe
Blühen uns als Grenzhutlohn...
Und den Hunnen deutſche Hiebe,
Daß ſie heulend fliehn davon!
IV.
Die Wellen fliehn und blinken
Heut wie vor alten Jahren,
Vom Kahn laß mich dir winken,
Du gute Bechelaren!
Wohin ſind die gegangen,
Die Hort und Schmuck dir waren?
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0117