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Frau Aventiure.
In Tränen tau'n die Wangen ...
Du gute Bechelaren!
Ich nur bin übrig blieben
Mit weißverſchneiten Haaren,
Zu klagen um die Lieben ...
Du gute Bechelaren!
Mein Schiff, bald wird's zerſpringen
Und Bretter leihn zu Bahren..
Bald hörſt du ein Grablied ſingen,
Du gute Bechelaren!
Mich ſehnt nach andrem Steuren,
Mich ſehnt nach andrem Fahren;
Bald find' ich deine Teuren,
Du gute Bechelaren!
Auf wilden Bergen.
Nach Prunk und Glanz und höfiſchem Behagen
In Steingeröll und Hochtaleinſamkeit...
Wohin, wohin hat mich der Sturm vertragen,
Seit daß ich ſieglos ſang im Sängerſtreit!
Blauleuchtend ſtarrt die Eiswand auf mich nieder,
Demanten blitzt im Sonnenſtrahl ihr Firn,
Ein ſchneeblank Linnen hüllt die ſtarken Glieder,
Durchſichtige Wölklein ſchleiern ihre Stirn.
Der Lärm erſchweigt im Anhauch ſolcher Rieſen,
Kein Vogel ſingt im braunen Arvenwald;
Das Mankei nur huſcht linkiſch durch die Wieſen
Und birgt ſich pfeifend in dem Felſenſpalt.
Doch rings erſprudeln Quellen friſchen Lebens
Im Urgeſtein, geſäugt von Wolkentau,
Die Seele ſchöpft ſich Schwungkraft neuen Strebens
Und ſchaut getröſtet in des Hhimmels Blau.
Hier denk ich dein, du milder Fürſt im Norden,
Und meine Grüße ſchweben in dein Land:
Ich weiß, du biſt an mir nicht irr geworden,
Ob alle mich vergeſſen und verkannt.
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