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Heinrich von Ofterdingen. 119
Und ſähſt du mich auf dieſer Wildnis Klippen
Sinnierend ob des Firns erſtarrter Flut,
Wie ehmals ſpräch' das Lächeln deiner Lippen:
„Laßt ihn gewähren, denn ſein Drang iſt gut.“
Wer ſich auf Dichten peint, folgt dunkeln Geiſtern
Und wird dem Weltlauf windsbrautgleich entführt;
Ihr Joch iſt rauh, doch wen ſie niemals meiſtern,
Der hat des Schöpfers Odem nie verſpürt.
Sie leiten jeglichen nach ſeiner Weiſe,
Daß ihm der Schönheit Offenbarung kund ...
.. . Mich zu den Gemſen, wo in ewigem Eiſe
Geheimnisvoll ſaphirhell gähnt der Schlund.
Im Gletſcherabſtrom ſtund mein Jagdwein kühle
Und füllt den Kürbisbecher kalt und klar:
Froh bring' ich ihn, den Glimmerblock zum Pfühle,
Als Weihetrunk Frau Aventiuren dar.
Sie hat mir reichlich Weh und Leid geſpendet,
Doch eine Stimme flüſtert mir: Bezwing's!
.. . Der Lieder größtes ſteht noch unbeendet...
Ich geh' zugrunde — oder ich vollbring's ⁶⁰)!
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