Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 123
(PDF, 21 MB)
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Anmerkungen. 123

5) Qui dont la véist dangar
et son gent cors deportar
ben puist dire de vertar
k'el mont non siè sa par
la Régine joiouse.
Alavi etc. etc.

Mitgeteilt von Leroux de Lincy in P. Lacroix und F. Seré, le moyen
Age et la renaissance, Paris 1851. tom II. Das graziöſe Lied, den letzten
Dezennien des XII. Jahrhunderts entſtammt, in der Mundart von Poiton ge⸗
dichtet, iſt eine jener Tanzweiſen (von dem ſich Vorwärts⸗ und Zurückbewegen
der Gruppen latein. retroientia, provenzal. retroensa, franzöſ. retrowange
genannt und in Deutſchland als Ridewanz volkstümlich geworden), welche das
nuralte Motiv germaniſcher Reigenluſt, den mit Geſang und ſtrophiſchem Tanz
geordneter Scharen unter Vorantritt von Mumngeſtalten ſich vollziehenden
Kampf und Sieg des Frühlings über den Winter, darſtellen; hier in der höfiſch
feineren Symbolik des Zwiſtes der jungen, lebensfreudigen Maikönigin mit
dem alten grämlichen Gemahl. Die franzöſiſche Frühlingszeitrechnung iſt der
deutſchen um einen Monat voraus. Was diesſeit des Rheines der Mai vor⸗
ſtellt: Blütezeit, koſendes Erwachen der Schönheit und ſtrahlende Jugend, iſt
jenſeitig ſchon der April.

5) Creſtien von Troies ſei darum mit einem Liede aufgeführt, um an den
großen Einfluß zu erinnern, den ſeine zahlreichen Schöpfungen auf zeitge⸗
nöſſiſche deutſche Meiſter ausübten; Wolfram von Eſchenbach wie Hartmann
von Aue haben ein gut Teil ihres epiſchen Ruhmes dem champagniſchen Trou⸗
vère zu verdanken. Vergl. W. L. Holland, Creſtien von Troies, eine literatur⸗
geſchichtliche Unterſuchung, Tübingen 1854 und li romans dou chevalier
au lyon, Hannover 1862. Den Text des vorſtehenden Liedes gibt W. Wacker⸗
nagel, Altfranzöſiſche Lieder und Leiche, Baſel 1846. no VIII.

*) li rois Richar (mitgeteilt von Wackernagel a. a. O. no XXII.) mag eine
Anſchauung geben, wie in einer Zeit, die keine gedruckten Parlamentsreden
und keine telegraphierten diplomatiſchen Noten als Mittel der Politik kannte,
die „chanson“ ein mächtig Werkzeug im Munde der Herrſcher ſein konnte. Der
Schmerzensruf des gefangenen Königs an ſeine Vaſallen in England und auf
dem Feſtland, warnend, ihm bei den Angriffen der ſeine Haft benützenden Krone
Frankreich nicht treubrüchig zu werden, mahnend, das notwendige Löſegeld
mit Anſtrengung aufzubringen, konnte, durch ergebene Minſtrels von Burg zu
Burg verſungen, aufſtachelnder Wirkung nicht verfehlen. Die Schweſter, an
die der Schluß ſich wendet, iſt wohl Johanna, vermählt in zweiter Ehe mit
Raimond V., Grafen von Toulouſe, den König Richard der Lehenabhängigkeit
von ihm und ſeinen Nachfolgern entbunden hatte und von dem er für dieſen
Dienſt Gegendienſt zu heiſchen berechtigt war. — Am 24. März 1193 war der
auf der Heimkehr von Syrien in Sſterreich Gefangene auf die Reichsveſte
Drivels eingebracht worden. Die Auftreibung der auf den gewaltigen Betrag
von 100 000 Mark Silbers vor der Entlaſſung und 50 000 nach der Entlaſſung
erhöhten Loskaufſumme verzögerte ſeine Befreiung. Am letzten Februar 1194
öffnete ſich ihm das deutſche Burgtor für immer. Unter ſeinen Rittern, die
als Geiſeln für Erfüllung der Freilaſſungsbedingungen dem Kaiſer Hein⸗
rich VI. ſich ſtellten, war Hugo von Morville, der als Troſt in Haft die


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