Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 3: Frau Aventiure)
[1916]
Seite: 142
(PDF, 21 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0142
14² Frau Aventiure.

herbest, trütgelelle min, noch nim mich z'ingesinde
min Ieêle ûf eime rippe staät, . .
wäfen! diu von dem wine drûf gehüûppet hät! .
Bei v. d. Hagen, Minneſinger II. 154.

Rügelied. Seite 107.

57 Dieſes Gedicht verſucht die Stimmung anzudeuten, welche einen deutſcher
Sitte und Sage zugewandten Sänger erfaſſen mußte, wenn er mit Genoſſen
zuſammentraf, die geblendet von der Franzoſen epiſcher Kunſt und Ritterlich⸗
keit ihrer eigenen Kraft in nachahmender Hingabe an jene vergaßen.
Es iſt wohl denkbar, daß dem äußeren Gegenſatz, in welchen das Gedicht
vom Wartburgkrieg Heinrich von Ofterdingen zu den andern ſtellt, dieſer künſt⸗
leriſch tiefer einſchneidende Zwieſpalt zugrunde lag. Angenommen, daß er den
Luarin gedichtet und daß ihm, ohne ſchon zu vollendeter Geſtaltung gekommen
zu ſein, große Motive der heimiſchen Heldenſage als künftige Gegenſtände
epiſcher Bearbeitung vorſchwebten, ſo mochte ihm ſchwül und dumpf werden in
einem Kreiſe, der aus Chreſtien von Troies importierten Stoffen Nahrung
ſög und mit deſſen Geſtalten (Qualogrenant und Key im „romans dou cheva-
lier au lyon“ Lanzelot und Meljanz im „romans del chevalier de la
charrete“, Parzival in den „Contes del craal“) vertrauter war, als mit
den ehrwürdigen, aber vom Roſt des Altertums nicht befreiten und in der
Pflege der fahrenden Sänger nicht zur Höhe des Kunſtepos gediehenen der ein⸗
heimiſchen Sagenkreiſe. — Zur Erklärung der dem Munde pariſiſch Gebildeter
des XIII. Jahrhunderts ironiſch entnommenen Fremdwörter folgt deren Über⸗
ſetzung: blano mangier (blamensier) ein zittrig feines Gericht von Reis,
Mandelmilch, gehackter Hühnerbruſt, in Schmalz geſotten und mit geſtoßen
Violen und Zucker zugerichtet. Vergl. das Rezept im Buch „von guter spise“
(Stuttgart, Liter. Verein Bd. IX.) Nr. 3. — pitit punt die vielgenannte, von
den Pariſer Scholaren täglich überſchrittene, mit Krambuden bedeckte Brücke,
welche die Inſel mit dem linken Seineufer, der ſog. Univerſité, verband. Na⸗
mentlich erwähnt in Willehalm 389, 6 und als Verfertigungsort teurer Waffen⸗
kleider (wve Paris uf pitit punt wart tecke und wäpenhroc bereit) in
Hirzelins Gedicht von der Göllheimer Schlacht. Vergl. Springer, Paris im
XIII. Jahrhundert. Leipz. 1856. Seite 15. — Schapel, chapelet, quasi
parva capa qua caput tegitur, feſtliche Kopfbedeckung, bei Jungfrauen ein
aus Filigranarbeit geſtaltetes, mit Perlen und edeln Steinen beſetztes Krön⸗
lein. S. Weinhold, die deutſchen Frauen im Mittelalter. S. 462.
Iſotens Künſte:
la duze Isot, la bele
si sang ir pasturele,
ir rotruwange und ir rundate,
Ichanzune, refloit und folate,
wol unde wohl unde al ze wol. .
Tristan 8038. — Pastourelle und retrowange. Ridewanz, ländlich höviſche
Tanzweiſen, vergl. Wackernagel, altfranzöſ. Lieder S. 183. — Tiraden, die
Form, in der die franzöſ. Epen gedichtet ſind, lange Reihe zehnſilbiger gleich⸗
reimiger oder gleichaſſonierender Verszeilen, dem Genius des deutſchen Reims
und Strophenbaus von kaum erträglicher Monotonie. — Maſſenie, Genoſſen⸗
ſchaft.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw3/0142