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Widmung.
(1867.)
Vergnüglich flüſternd ziehn des Neckars Wogen
Vorbei dem Urſitz deutſcher Wiſſenſchaft,
Hoch ob der Brücke ſchlanken Pfeilerbogen
Hebt ſich des Schloſſes giebelſtolze Kraft.
Ein Blütenſchnee von Kirſchen, Pfirſich, Flieder
Flockt duftverhauchend um das junge Grün,
Und prangt Altheidelberg im Lenzſchmuck wieder,
Sorgt niemand viel ſich um des Lebens Mühn.
In dieſem Tal der weißen Blütenbäume
Kam mir des Ortes Genius oft genaht
Und fügte Scherz, Humor und heitre Träume
Zum Wiſſensernſt der alten Muſenſtadt.
Er ging nicht ſteif in klaſſiſchen Gewanden,
Ging keck und flott und trank wie ein Student
Und glich nicht viel den neun antiken Tanten,
Die man im Mythus mit Apollo nennt.
Was Er mich lehrte, bracht' ich in den Engern,
Wo eine treubewährte Freundesſchar
Den Mittwoch in den Donnerstag zu längern
Bei goldnem Rheinwein oft befliſſen war.
Da fiel's nicht ſchwer, die Saiten hell zu ſchlagen,
Selbſt würdige Pfarrherrn wurden ſingend laut,
Wenn uns ein Meiſter, deſſen Tod wir klagen,
Mit kundiger Hand den Maientrank gebraut.
Zwei Keſſelpauken dienten als Orcheſter
Und eines Ofenſchirms gewalztes Blech,
Das dröhnte oft zum Rundgeſange feſter
Denn Meeresſturm und wilden Heers Gezech.
Zum luſtigen Wort fand ſich die luſtige Weiſe
Und oft ſcholl Beifall unſrer ſchlichten Art,
Als läg' in dieſem Maiweinnippekreiſe
Waldmeiſters Wunderhorn als Schatz verwahrt.
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