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Gaudeamus!
Dem Ruhebedürfnis der Erde entſprach
Entwicklung auf feuchtem Wege.
Eintönig wogte die Flut und litt
Nichts Hartes mit ſcharfer Kante,
Die Felſen zerſtieb ſie zu Kieſelſtein,
Die Kieſel zerrieb ſie zu Sande.
Erdmännlein, die kluͤgen, erkannten betrübt
Die Gefahr allmähl'cher Verſumpfung,
Da ſchürten ſie unten leis am Baſalt:
„Erwach' aus deiner Verdumpfung!
„Erwach', ſei ein Mann und erhebe dein Haupt,
Zerſpreng' die beengenden Bande,
Aus himmelanſteigender Felſenburg
Beherrſch' die geſchichteten Lande!
Erwach und ruf: perrumpendum est!
Wie drüben im Alpenbezirke
Deine tapfern Ahnen Granit und Porphyr,
Die Stammherrn der kühnſten Gebirge.“
Da hub der Baſalt zu ſeufzen an,
Er hatte, von Langweil betrübet,
Ein geologiſcher Romeo,
Sich in die Molaſſe verliebet.
Molaſſe, der Erbfeinde Töchterlein,
Moderne, mariniſche Schichten!...
Drum nagte der Gram wie verzehrender Roſt
An ſeinem Trachten und Dichten.
Um der Tiefe zentrale Urfeuer lag
Er träumend und ſprach wie im Fieber:
„O wär' ich ein wäſſ'riger Niederſchlag
Und bei ihr... das wäre mir lieber!“
Erdmännlein, die klugen, die trugen ſtets
Den Fortſchritt des Ganzen im Sinne;
Was kümmert ſolch doktrinäres Volk
Des einzelnen Herzweh und Minne?
Und wieder hetzten und ſchürten ſie ſcharf:
„Laß ab von deinen Viſionen,
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