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I. Naturwiſſenſchaftlich. 15
Du ernteſt nur einen Korb und den Spott
Der ſämtlichen Formationen.
Schon flüſtert's der Onkel Steinſalz dem Kalk,
Schon baſen es höhniſch die Wellen: L
‚Wie kann ſich des Meeres drittälteſtes Kind
Dem Auswurf des Feuers geſellen?“
. . . Was weiter geſchah, man erfuhr es nie,
Doch plötzlich faßt' ihn ein Wüten,
In feuriger Lohe ſchnob er heraus,
Seine Adern glühten und ſprühten.
Lautraſend drang er nach oben vor
Und ſprengte mit ſengenden Gluten
Die Decke der Schichten, die wie ein Alp
Schwerlaſtend über ihm ruhten.
Auch ſie, für die er einſt ſchwärmte, ſank
Als Opfer der grimmen Verheerung.
Auflacht' er höhniſch und hüllt' ſich in Rauch
Und ſtürmte zu neuer Zerſtörung.
Und Schlag auf Schlag — dumpfkrachend Getös
Von tauſend und tauſend Gewittern.
Die Erde barſt, es durchzuckte ſie tief
Ein Schüttern und Zittern und Splittern.
Bis ſteil majeſtätiſch der feurige Kern
Den klaffenden Spalten entſteiget,
Und trümmerbeſäet ſich Land und Flut
Dem Säulengewaltigen neiget.
Da ſtand er und ſchaute die blanende Luft
Und der Sonne lichtſpendendes Walten,
Dann ſeufzte er tief... kühl weht es vom See..
Dann ſank er in ſtarres Erkalten.
Doch in dem Gefelſe wohnt heute noch
Ein ſeltſam Tönen und Klingen,
Als wollt' es von ſeliger Jugendzeit
Ein Lied der Sehnſucht uns ſingen.
Und ein goldgelb Tröpflein Natrolith
Im geſchwärzten Stein oft erſcheinet..
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