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II. Kulturgeſchichtlich. 37
Hu weh! mir iſt des Tages bang!
Das ſind die Zeiten, wo Tier und Menſchheit
Glühheiß ſchmachten, gleich Eiſen im Schmiedherd;
Träufſt du auch Tropfen und Fluten drauf nieder,
Saugt es ſie gierig, doch löſcht es nicht.
Weh! kaum läutet das Frühmorgenglöcklein
Und ſchon zwingt mich allmächtige Sehnſucht
Eiligſt zum Kloſterkeller zu wandeln ...
Ob ich dort harre in trinkender Arbeit,
Bis ſich die Nacht neigt,
Oder ein läuternd Gewitter am Himmel
Dieſe unendliche Schwüle zerbricht? ...
Weiß nicht ...
Aber mein Durſt iſt
Sehr groß...
Hu weh! mir iſt des Tages bang!
Die Maulbronner Fuge.
„— — Wem das Kloſter Maulbronn bekandt, der hat's können
mit ſeinen Augen ſehen, wie in dem Vorhoff ſelbiger ſchönen
erbauten Kirchen oben im Schwibbogen unter anderen Gemäl⸗
den auch eine Gans abgemahlt ſteht, an welcher eine Fläſch,
Bratwürſt, Bratſpiß und dergleichen hangen, neben einer zur
naſſen Andacht gar wohl komponirten Fuga folgenden Tenors
mit ihrem unterlegten Text, gleichwohl nur den initialibus
literis A. V. K. L. W. H.
X— J 1.
5
2
A1
—
—
A. V. K. L. W. H.
All Voll, Keiner Leer, Wein Her,
welches villeicht dieſer durſtigen Münch und Religioſen Com⸗
mentarius geweſt über das Hohelied Salomonis: Comedite
amici et bibite et inebriamini charisimi &c. &c.
Tob. Wagner, Evangel. Cenſur der Beſoldiſchen
Motiven etc. Tübingen 1640, p. 652.
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