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III. Die Lieder vom Rodenſtein. 43
II.
Wer reit't mit ſieben Knappen ein
Zu Heidelberg im Hirſchen?
Das iſt der Herr von Rodenſtein,
Auf Rheinwein will er pirſchen.
„Hollaheh! den Hahn ins Faß! ſchenkt ein!
Ich fürcht', die Kehlen roſten!
Wir wöll'n ein halb Jahr luſtig ſein,
Und ſollt's ein Dorf auch koſten.
„Ein Dorf, was iſt's?.. Ein rußig Loch,
Und ich hab' ihrer zweie,
Ich hab' ja Pfaffenbeerfurt noch
Und Reichelsheim, das treue.“
Trommeten klangen mit Schalmein,
Die Pauken täten ſchweigen.
Sechs Monden ſaß der Rodenſtein
Beim ſüßen Rheinweinreigen.
Und als nach halber Jahresfriſt
Der Rechnung er gewunken,
Da ſprach er: „Hollahehl jetzt iſt
Auch Reichelsheim vertrunken!
Reichelsheim iſt hin!
Reichelsheim iſt fort!
Reichelsheim der treue, ſchnapsbrennende Ort,
Reichelsheim .. iſt . „veritrunken.
Hollaheh! doch wie man's treibt, ſo geht's!
Was liegt an dem Verlurſte?
Man ſpricht vom vielen Trinken ſtets,
Doch nie vom vielen Durſte.
Reichelsheim iſt hin!
Reichelsheim iſt fort!
Reichelsheim der treue, ſgnapabremende Ort,
Reichelsheim..iſt. „veritrunken.“
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