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III. Die Lieder vom Rodenſtein. 45
Der Willekumm.
Und als der Herr von Rodenſtein
Zum Frankenſtein ſich wandte,
Empfing er ſeinen Ehrenwein,
So wie es Brauch im Lande.
In Beerbach vor dem Rathaus bracht'
Der Zentgraf mit den Bauern
Den Kauzenkrug. Der Alte lacht:
„Nur her mit euerm Sauern!
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, das Bauernkäuzlein
Gaht um, gaht um!“
Als er von dort ſich durchgezerrt
Zur Frankenſteiner Linde,
Stand Weg und Durchpaß dicht geſperrt
Vom jungen Burggeſinde:
Ein Reiterſtiefel lebensgroß
Von Ton, ein feinbemalter,
Ward ihm gefüllt kredenzt auf's Roß
Und alles ſang den Pſalter:
„Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um!“
Im Burghof grüßt' ein zweiter Schwarm
Ihn mit Kartaunenzündung,
Da ſchwang der Burgherr ſelbſt im Arm
Des zweiten Stiefels Ründung.
Des Schloßbergs Feinſten goß man ein,
Und würdig ſprach der Ritter:
„Herr Nachbar, nit auf eynem Bein!
Der hier ſchmeckt auch nicht bitter.
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um!“
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