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Gaudeamus!
Der Rodenſtein trank aus und rief:
„Gott ſegne deine Naſe!
Die meine bog ſich beinah ſchief
Von ſolchem Strom im Glaſe.
Jetzt wöll'n wir in dem Ritterſaal
Ausruhn vom erſten Toſen;
Mir ahnt, dort füllt dein Ehgemahl
Das Trinkhorn Karls des Großen.
Und nochmals heißt's: das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, des Kaiſers Hörnlein
Gaht um, gaht um!“
... Beim Abſchied andern Morgens war
Ein Nebel weit und breite,
Da bracht man ihm das Stammbuch dar
Zum Eintrag, eh' er ſcheide.
Und zittrig ſchrieb er: „Kund ſoll ſein,
Daß ich hie eingeritten
Und lob' das Haus zum Frankenſtein
Als Haus von guten Sitten:
Der Willkumm hat mir ſo gemund't,
Daß ich das Bett nicht finden kunnt',
Holliro, nicht nur der Stiefel,
's ging alles um!“
Die Pfändung.
Und wieder ſaß beim Weine
Im Waldhorn ob der Bruck
Der Herr vom Rodenſteine
Mit ſchwerem Schluck und Gluck.
Der Wirt ſprach tief in Trauer:
„Daß Gott ſich mein erbarm'!
Der ſitzt wie eine Mauer
Und trinkt mich nächſtens arm.
Wie ſoll das all noch enden?
Kein' Pfennig gibt er her .. .
Ich glaub', ich laß ihn pfänden,
Sonſt weicht er mir nicht mehr!“
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