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III. Die Lieder vom Rodenſtein. 47
Der Fronvogt ſamt dem Büttel
Kam handfeſt an im Horn:
„Heraus den Sammetkittel,
Die Stiefel und die Spor'n.
Heraus des Mantels Zierde,
Handſchuh und Zobelhut!
Verfallen dieſem Wirte
Iſt all Eu'r Hab und Gut!“
Da lacht der Rodenſteiner:
„Nur zu! ... wie wird mir wohl!
s trinkt leichter ſich und feiner
Im Unterkamiſol!
Und bis Ihr mir die Kehlen
Könnt pfänden aus dem Hals,
Werd' ich noch manchen quälen,
Der Wein ſchenkt in Kurpfalz!“
Der Knapp.
Der Herr vom Rodenſteine
Sprach fiebrig und ſchabab:
„Ungern duld' ich alleine,
Wo ſteckt mein treuer Knapp?
Ich ſpür' in Haupt und Magen
Ein Stechen und Geſchlapp ...
Diesmal geht mir's an Kragen,
Wo ſteckt mein treuer Knapp?“
Der Reitersjungen viere
Durchſuchten Weg und Steg:
Der Knapp ſaß feſt beim Biere,
Juhei! im Bremeneck.
Er trank und ſprach mit Trauern:
„Du braver Rodenſtein!
Allein ich muß bedauern,
Ich kann nicht bei dir ſein!
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