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Gaudeamus!
In Züchten ſaß der Stammgaſtſchar
Nach Rang und Würden dort,
Dünnbier ihr Veſpertrünklein war,
Es klang kein lautes Wort.
„Sacht ſtets! .. Sacht und bedacht ſtets
Iſt Lebens Hochgenuß,“
So flüſtert ein Kanzleimann juſt
Zum Kreisamtsſyndikus.
In dieſer Schöppleinſchlürfer Reih'
Saß auch ein ſtilles Gaſt,
Und als es acht Uhr war vorbei,
Nahm's Stock und Hut mit Haſt.
„Acht jetzt..acht jetzt .. gut' Nacht jetzt!
Einſt war ich nicht ſo brav,
Doch ehrbar wandeln iſt das Beſt'!
Ich geh' ins Bett und ſchlaf'.“
Der Rodenſtein in grimmem Zorn
Hub grau'nhaft ſich empor;
Dreimal ſtieß er ins Jägerhorn
Und blies mit Macht den Chor:
„'raus da! 'raus aus dem Haus da!
'raus mit dem Deſerteur!
Das lahme, zahme Gaſt da drin
Gehört zum wilden Heer!“
Da faßt das Gaſt ein Schreck und Graus,
Erſt ſank es tief ins Knie,
Dann ſtürzt es einen Maßkrug aus,
Schlug's Fenſter ein und ſchrie:
„'naus da! 'naus aus dem Haus da!
O Horn und Sporn und Zorn!
O Rodenſtein! O Maienwein!
Noch bin ich nicht verlor'n.
Rumdiridi, Freijagd!
Hoidirido, Freinacht!
Alter Patron,
Empfah' deinen Sohn!
Huſſa, Hallo!
Jo, hihaho!
'naus, 'naus, 'naus!“
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