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54 Gaudeamus!
Der ſpitzt betrübt die Füße,
Die Bettſtatt ſeufzt und kracht;
Stumm nimmt er eine Priſe:
„Beide auf Numero acht!!“
Die Martinsgans.
Tiſchlied beim großen Gansſchmaus im Muſeum zu Heidelberg
am 11. November 1857.
Eram nive candidior
Quavis ave Tormosior
Modo sum corvo nigrior
Refl. miser! miser!
Nunc in scutella iaceo
et volitare nequeo,
dentes frendentes video
Refl. miser! miser!
modo niger et ustus fortiter.
Carminia Burana p. 173.
Der Menſch iſt ein Barbar von Natur,
Er achtet nicht im mindeſten die Nebenkreatur,
Tut ſieden ſie und braten,
Verſpeiſt ſie mit Salaten,
Schütt't Wein oben drauf aus güldnem Gefäß
Und nennt das gelehrt: Ernährungsprozeß.
Mich gute Gans haben ſ' auch erwiſcht
Und allezeit gerupft und aufgetiſcht.
Zum Könige Gambrinus
Sprach einſt ſchon Sankt Martinus:
„Die Welt, edler Herr, iſt nicht viel nütz,
Doch trefflich ſchmeckt zu Bier wie Wein ein Pfaffenſchnitz.“.
Der eilfte Novembris war der Tag,
Allwo er dieſes Wort mit Nachdruck ſprach;
Drum braten brave Leute
Die Martinsgans noch heute,
Ich armer Vogel, iſt das mein Lohn,
Daß man mich tot verzehret auf Subſkription?
Wie anders war's, da auf der Weid
Als Gänſulein ich prangte im Flügelkleid?!
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