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IV. Heidelbergiſch. 55
Auf einem Fuße ſtehend
Und Aug' und Schnabel drehend
Zum Liebſten, der juſt über den Rhein
In männlicher Reife als Gänſerich kam heim.
O hätt' ich nie gemußt in die Stadt,
Wo niemals eine Köchin eine Bildung hat!
Sie lachte ſehr gemeine
Und preßt' mich an die Beine
Und ſprach: „Ob's dich auch drückt und verkropft,
Mit Welſchkorn wirſt du jetzt vollgeſtopft!“
So werd' ich ſchon bei lebender Zeit
Zu Braten und Paſteten vorbereit't;
Mein Geiſt geht ſehr zurücke,
Die Leber nur wird dicke;
Sie fragen nicht mehr: Iſt ſchön ihr Geſicht?
Sie fragen allein: Wie fällt ſie ins Gewicht?
Iſt das der Dank, daß unſere Schar
Der Hauptſtadt der Welt Erretterin einſt war?
Von wegen Weinverkoſten,
Schlief alles auf den Poſten,
Ohn' unſer tapfer Schnattern und Schrei'n
Hätt' Rom ſchon Anno Tubak franzöſiſch müſſen ſein.
Ihr ſchmauſende Herrn, doch ſpart euern Hohn,
Wir retten nicht zum zweitenmal die Ziviliſation:
Und ſtürmt am Kapitole
Rheinwein, Bordeaux und Bowle,
Keine Gans wird euch mehr warnen und krähn,
Doch jammernd werden morgen die Katzen vor euch ſtehn.
Die letzte Hoſe.
Letzte Hoſe, die mich ſchmückte,
Fahre wohl! dein Amt iſt aus,
Ach auch dich, die mich entzückte,
Schleppt ein andrer nun nach Haus.
Selten hat an ſolchen Paares
Anblick ſich ein Aug' erquickt;
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