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Gaudeamus!
Die Sonne malt und blitzgeſchwind
Briefſchreibt der Kupferdraht.
O neues Rüſtzeug, alter Kampf!
Wo treff' ich Glück und Ruh? ...
O Erdenphosphor, Gas und Dampf!
Fahr' zu, mein Schimmel, fahr' zu!“
Der Fünfundſechziger.
In luftiger Trinkkemenaten
— Den Ort geſteht man nicht ein —
Da prüften drei ſpäte Nomaden
Den edelſten pfälziſchen Wein.
Aus rötlichen Römern erblinkte
Des Rieslings feinperlendes Gold,
Des Höhenſaums Rebgeländ' winkte
Im Mondſchein den Trinkenden hold.
Der Erſte, ein weitum gereiſter
Philologus ſpitzte den Mund:
„Das kochten uns Erdfeuergeiſter
Mit AÄAther und Sonne im Bund.
Drum flutet's und glutet im Becher
Geiſtfunkelnd, ſanftrhythmiſch und voll,
Als ſängen homeriſche Zecher
Ein ioniſches Kneiplied in Moll.“
Der Zweite, ein trockener Kenner
Und Deuter des römiſchen Rechts:
„Proficiat,“ ſprach er, „ihr Männer,
Wir läppern allhiero nichts Schlechts.
Wer ſchaut nicht, wenn bacchiſches Donum
So goldklar im Kelchglaſe ſcheint,
Das Justum, Aequum et Bonum
In dieſem Römer vereint?“
Der Dritte, der putzte die Lichter,
Die mächtig heruntergebrannt,
Und ſprach: „Zwar bin ich kein Dichter
Und kunſtlos und ſchlicht von Verſtand;
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