Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 61
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0064
IV. Heidelbergiſch. 61

Der Stoff des weiſen Salomo*)
Kam nie zu feinem Hauche,
Denn ſein Bukett blieb immer roh
Im dunkeln Geißbockſchlauche.
Erſt als Phöniker Sand zu Glas
Umſchmolzen in den Aſchen,
Sah Iſrael .. zwar noch kein Faß,
Doch ſchon .. pitſchierte Flaſchen.
Europa, ſumpfig, feucht und leer,
Ließ wild die Rebe treiben,
Die Salamander drohten ſehr
Den Menſchen aufzureiben.
Der Erſte, der im Urwald keck
Sich briet den Urſtierſchlegel,
Trug ſeinen Met als Handgepäck
In einem ſchmalen Legel.

Der Kelte, der auf Pfählen ſaß
Und niedrer Bildungsſtufe **),
Barg ein ſehr zweifelhaftes Naß
In zweifelhafter Kufe.
In der Kimmerier Nebelgrau,
Bei Völkern rauh und zottig,
Kam auch kein großes Faß zum Bau,
Nur Bütte, Pott und Pottich.

Alt⸗Hellas fand die Faßform früh,
Doch nicht für Bacchos Wonnen;
Man pflag ſtatt Weins Philoſophie
In leeren hohlen Tonnen.
Das zweckbewußte Römertum
Bedurfte ſtarker Labe:
Zum magnum vas vinarium

Schlich Plinius ſchon als Knabe ***).

*) „Baalhamoner“. Salomo hatte einen Weinberg zu Baal-Hamon.
Hohes Lied 8, 11. Auch der aus den Weingärten zu Engeddi gewonnene
Stoff erſchien preiswürdig. Hohes Lied 1, 14.
**) Siehe die Mitteilungen der antiquar. Geſellſchaft zu Zürich. „Pfahl⸗
bauten“. Erſter Bericht. Band IX. Abt. 2. Heft 3. — Fünfter Bericht.
Band XIV. Heft 6.
***) Vasa vinaria, ſiehe Plinius hist. nat. c. 21. Erhaltene Exem⸗


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