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62 Gaudeamus!
Doch das antike vasum war
Von Ton und ſpitz nach unten,
Und auch vom ca dus iſt nicht klar,
Ob Reif er trug und Spunden.
Das echte Faß zeigt deutſchen Schwung,
Es gingen die Germanen
Schon auf die Völkerwanderung
Mit Trinkglas, Faß und Hahnen*).
Dietrich von Bern rief oftmals froh
Im Keller ſeines Schloſſes:
„Thata liubo fat, thata mikilo!
Du liebes Faß, du großes!“
Und oft ſah ihn der Goten Heer
Vergnügt dem Reichsſchenk winken:
„Schafft eine Maß zu trinken her!
Scapia maziaia drinkan**)!
—
Des Rotbarts Kaiſermacht empfing
Den Reichstag gern beim Faſſe
plare im Muſeum der helvetiſchen Römerſtadt Aventicum, jetzt Avenches im
Waadtland. S. Joh. v. Müllers Geſchichte der Schweiz I, 63.
*) Glasbecher aus altdeutſchen Gräbern ſiehe Cochet, Normandie
souterraine. Paris 1855. p. 185. — Lindenſchmit, das germaniſche
Totenlager bei Selſen in Rheinheſſen p. 27. — Haſſler, das alemanniſche
Totenfeld bei Ulm, in den Verhandlungen des Vereins für Kunſt und Alter⸗
tum in Oberſchwaben. Bd. XIII, p. 28.
Faßhahnen aus altdeutſchen Gräbern ſiehe Haſſler I. cit. p. 23 und
die Abbildungen auf Tafel II, Fig. 12 und 13. .
**) Hier neigt ſich das große Faß hochachtungsvoll vor den verſammelten
Mitgliedern der germaniſtiſchen Sektion und dekliniert ſich ſelbſt auf gotiſch
wie folgt: .
Sing. nom. das große Faß fat thata mikilòô
gen. des großen Faſſes fatis this mikilins
dat. dem großen Faſſe fata thamam mikilin
accusativ wie nominativ.
Plur. nom. die großen Fäſſer fata thö mikilôna
gen. der großen Fäſſer fatê thizé mikilané
dat. den großen Fäſſern fatam thaim mikilam
acc. wie nom. —
Die Erklärung des gotiſchen „scapia maziaia drinkan“ ſiehe bei Mass-
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