Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 65
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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V. Aus dem Weiteren. 65

In dämmernder Schneekönigspracht, auf finſtrem Wolkenſitze
Reckt Piz Bernina durch die Nacht die demantblanke Spitze.

Sein Nebel deckt des Paſſes Höh'. Durchblaſen und durch⸗

froren
Schwank ich umher am ſchwarzen See und hab' den Pfad ver⸗
loren ...
Wär'’ nicht ein Troſt im Tal Valt'lin, genannt der Valtelliner,
Ich fluchte auf das Engadin und auf die Engadiner.

Runglſtein bei Bozen.

Noch heute freut's mich, o Runglſtein
Daß einſtmals zu guter Stunden,
In der Talfer felsenges Tal hinein
Zu dir den Weg ich gefunden.

Melodiſch ſcholl aus der Tiefe empor
Des Wildbachs entſtrömendes Toſen,
Am Burgpfad erblühten in luſtigem Chor
Glutnelken und wilde Roſen.

Des Runglſteins verfallen Gebäu
Weiß nichts von Grämen und Trauern,
Der Geiſt der Dichtung, fröhlich und frei,
Niſtet in ſeinen Mauern. L

Herr Konrat Vintler einſt oben ſaß,
Des Kurzweil war, allerwegen
Beim Klang der Laute und Stengelglas
Der freien Künſte zu pflegen.

Längſt war des Minnelieds Glanz vorbei
Und anderes wollt' ſich geſtalten,
Drum dacht' er, ein künſtleriſch Konterfei
Entſchwundener Pracht zu behalten.

Viel ſinnige Männer malten ihm gern
Die Helden der altdeutſchen Lieder;
Noch ſchauet Herr Hagen und Dietrich von Bern
Vom Söller zum Burghof hernieder.
Scheffel, IV. L 5


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